An den Brennpunkten der Welt: Reporter – ein Traumberuf ?

Von unserem Clubmitglied Kamran Safiarian, ZDF

Ein Interview mit Tennisstar Andre Agassi, als Pilger im saudi-arabischen Mekka oder ein Geheimtreffen mit einem CIA-Agenten in Kalifornien – so abwechslungsreich und interessant das Leben eines Reporters auch sein mag – als Journalist zu arbeiten bedeutet nicht nur spannende Reisen zu unternehmen, interessante Berichte aus Krisengebieten zu fertigen und Dokumentationen über das Leben interessanter Persönlichkeiten zu produzieren. Für viele ist der Beruf des Journalisten ein Traumjob. Doch dahinter steckt harte Arbeit – die Basis ist häufig ein Hochschulstudium, ein Volontariat und jahrelange praktische Erfahrung im Journalismus. Und der Job hat nicht nur angenehme Seiten: Aus Krisengebieten wie Iran oder Afghanistan zu berichten birgt oft ein schwer kalkulierbares Risiko. Gleichzeitig nährt der Journalistenberuf viele Illusionen, die nicht selten am Schreibtisch hinter dem PC beim Lesen und Redigieren von Agenturmeldungen enden.

Mein Schreibtisch steht in der Zentrale des ZDF in Mainz. Seit 2007 arbeite ich dort als Islam- und Iranexperte. Zum einen moderiere ich das „Forum am Freitag“, das Islam- und Integrationsforum des Senders. Zum anderen arbeite ich als Autor für das Nachrichten-Flagschiff: „heute-journal“. Über 400 Berichte und Magazinbeiträge aus dem In- und Ausland habe ich in den letzten Jahren produziert, darunter eine Reportage über den Jakobsweg oder die muslimische Pilgerfahrt nach Mekka, die Biographie der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi oder ein Bericht über die Kulturszene im palästinensischen Ramallah. Dass sich meine journalistischen Schwerpunkte in der Berichterstattung auf den Iran und allgemein auf politisch-kulturelle Reportagen aus Krisengebieten wie dem Nahen Osten konzentriert haben, hat natürlich mit meinem bikulturellen Hintergrund zu tun. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters 1969 in Iran geboren, lebte ich bis zu meinem elften Lebensjahr in Iran. Nach der Revolution 1979 und dem Sturz des Shah siedelten wir nach Deutschland über. Später studierte ich Journalistik, Politologie und Sozialpsychologie in München und Paris und sammelte während des Studiums erste journalistische Erfahrungen beim Münchner Merkur, dem Bayerischen Rundfunk, beim Sportsender Eurosport, RTL und dem ZDF. 1995 kam ich dann nach Mainz und arbeitete zunächst für das Nachrichtenmagazin „heute-journal“. 1996 wechselte ich zu 3sat und baute das einzig tägliche Kulturmagazin in Europa mit auf, das 3sat-Magazin „Kulturzeit“. 2005 hatte ich die Chance, für ein paar Monate für die BBC nach London zu gehen. 2007 wurde ich dann Islamexperte des ZDF und durfte die Sendung „Forum am Freitag“ moderieren, die den Alltag von muslimischen Persönlichkeiten in Deutschland widerspiegelt.

Ein Tag im Leben eines Reporters im ZDF beginnt meist zu Hause nach dem Aufstehen, wo man sich das Morgenmagazin anschaut, um einen Überblick über die Bilder des Tages zu haben und die Nachrichten im Radio anhört. Im Büro angekommen, widmet man sich der Zeitungslektüre und dem Lesen von Agenturmeldungen, bevor die erste Tagessitzung im „heute journal“ um 9.30 mit den per Telefon zugeschalteten Moderatoren beginnt. Es stehen Planungs- und Schaltkonferenzen an, in denen die Themen des Vortages besprochen werden und die Themen des anstehenden Tages angekündigt und diskutiert werden. Um 15 Uhr folgt dann die Tagessitzung des „heute journals“, in der der aktuelle Ablauf in Anwesenheit der Moderatoren, Planungs- und Grafikredakteuren, Onlineredakteuren und den Reportern durchgesprochen wird. Hier werden zu bereits vorgeplanten Inhalten auch neue Themen angeleiert. Um 18 Uhr wird dann noch mal über den endgültigen Ablauf und weiteren anstehenden Themen geredet, während die Autoren seit halb sechs bereits mit dem Fertigen ihrer Berichte im Schnitt sitzen. Um 21.45 ist Sendung, meist gegen 21 Uhr sind die ca. drei Minuten langen Filmberichte fertig geschnitten und werden vor der Sprachaufnahme dem Sendungsverantwortlichen des Tages zur Abnahme vorgeführt. Die Reporter in der Sendezentrale in Mainz werden bei Bedarf auch zu Einsätzen in Krisengebieten wie dem Nahen Osten, Iran oder Afghanistan entsandt. Hier ist immer eine Portion Nervenkitzel dabei. So gerieten wir bei einer Drehreise an einem Grenzübergang zwischen Israel und Palästina in einen Schusswechsel und in Iran wurde ich von fünf Revolutionswächtern verhaftet, als wir einen Bericht über junge Iranerinnen und Schönheitsoperation drehten.

Zu den schönen Seiten des Journalistenberufes gehören aber auch Interviews mit Hollywoodstars wie Matt Damon auf der Berlinale oder ein Treffen mit einem der besten Tennisspieler aller Zeiten – Andre Agassi. Anlässlich seiner Biographie „Open“ zeigt sich der Weltstar im Berliner Adlon-Hotel uns Journalisten cool und relaxed. Der Mann, dessen Returns weltweit gefürchtet waren, schlug in seiner Biographie verbal zurück. „Open“ – der Titel seines Buches voller interessanter Anekdoten. So outete sich Agassi, dass er früher Drogen nahm und aus lauter Unsicherheit ein Toupet trug. Nach dem Interview blätterte der inzwischen geläuterte Paradiesvogel aus Las Vegas in alten Tenniszeitschriften, die ich mitgebracht hatte. Er blieb an einem sehr seltenen Exemplar der französischen Sportzeitschrift „L’Equipe“ hängen. „Wow“, sagt er, „diese Bilder habe ich noch nie gesehen“. Ich fragte ihn, ob er das Exemplar haben möchte. „Wenn es Dir nichts ausmacht“. „No Problem“, sagte ich. Spiel, Satz und Sieg Agassi.

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